Unsere Familiengruppen sind Kleingruppen mit zwei bis vier Plätzen. Pädagogische Fachkräfte nehmen Kinder und Jugendliche in den eigenen Haushalt auf. Eingebettet in die Nachbarschaft und das soziale Umfeld des Dorfes oder Stadtteiles bieten diese Gruppen einen überschaubaren Lebensraum und eine familiäre Atmosphäre in Verbindung mit pädagogischer Kontinuität und intensiver Betreuung. Dabei verstehen sich die Pädagogen nicht als "Elternersatz", sondern bieten Hilfestellungen und Fördermöglichkeiten, die eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie zum Ziel haben. Ist dies jedoch ausgeschlossen, so kann auch eine Beheimatung - bis zur Verselbständigung- erfolgen.

§ 34 SGB VIII

Kinder ab 5 bis 12 Jahren, die einen überschaubaren Rahmen brauchen und die sich auf ein familiär geprägtes Beziehungsangebot einlassen können.

  • Sozial-emotionale Störungen (z. B. gestörtes Bindungsverhalten, Nähe-Distanz-Problematik)
  • Aggressives Verhalten nach körperlichen, sexuellen und seelischen Übergriffen
  • Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) mit oder ohne hyperkinetische Störungen
  • Psychosomatische Störungen (z. B. Einnässen, Essstörungen)
  • Psychomotorische Störungen (z. B. Körperkoordination, Dyspraxie)
  • Mangelnde schulische Motivation (z. B. Leistungsverweigerung)
  • Außerdem können Kinder aufgenommen werden, bei denen keine der o. g. Störungen vorliegt, deren familiäre Situation einen weiteren Verbleib in der häuslichen Umgebung jedoch unmöglich macht.
  • Intensiver pädagogischer Einzelförderbedarf
  • körperliche und geistige Behinderungen, die eine Integration in die Familiengruppe verhindern
  • extreme Dissozialität
  • Alkohol- und Drogenabhängigkeit

 

 

Unsere Familiengruppen in der Übersicht

Familiengruppe Hoffmann
4 Plätze
56566 Neuwied

Familiengruppe Mertgen 
3 Plätze 
56566 Neuwied

Familiengruppe Both 
2 Plätze 
56316 Niederhofen

Familiengruppe Faßbender 
2 Plätze 
53547 Leubsdorf

Familiengruppe Mehren 
2 Plätze 
53547 Leubsdorf

Familiengruppe Meurer
2 Plätze 
56276 Großmaischeid

Familiengruppe Striebeck 
2 Plätze 
56587 Oberhonnefeld

Familiengruppe Sudhoff-Mohr
4 Plätze 
56271 Isenburg

Struktur und Angebot

Im Stadt- und Kreisgebiet Neuwied sind acht Familiengruppen verortet, die überwiegend im ländlichen Raum in ihren privaten Häusern  leben und entsprechend gut lokal vernetzt und integriert sind. Die Kinder haben alle ein eigenes Zimmer, was grundmöbliert  ist und nach eigenen Ideen weiter ausgestaltet werden kann.  Nach Absprache kann ein Kleintier (z. B. Kaninchen) mitgebracht werden.

Während der  Urlaube und freien Tagen der Mitarbeiter, werden die Kinder durch den gruppenübergreifenden Dienst (GÜD) in der Einrichtung umfassend betreut. Abgestimmt mit den einzelnen Familiengruppen können hier gemeinsame erlebnispädagogische Angebote oder auch individuelle Angebote z. B. zur Verselbstständigung umgesetzt werden. Die Kinder, die Kontakt zu Ihrer Herkunftsfamilie haben, können freie Wochenenden und einige Wochen in den Ferien dort verbringen.

Die Familiengruppen sind durch gemeinsame Dienst- und Fallbesprechungen unter der Leitung der Fachberatung sowie deren monatlicher Beratung vor Ort mit der Gesamteinrichtung verbunden. Ergänzend zu der engen pädagogischen Begleitung der Familiengruppen bietet die Fachberatung auch pädagogisch-therapeutische Einzelstunden für Kinder in Krisensituationen an.

Chancen und Möglichkeiten

Die stets wiederkehrenden, den Familienalltag strukturierenden Abläufe wie

  • Aufstehen + Frühstücken
  • Kindergarten + Schulbesuch
  • Mittagsimbiss oder gemeinsames Mittagessen, wenn alle da sind
  • Geregelte Hausaufgabenzeiten
  • Organisierte + offene Freizeitaktivitäten
  • Fahrten zu Ergo-, Logo- und ambulanter Psychotherapie
  • Gemeinsames Abendessen
  • Tagesausklang + Schlafengehen

bedeuten vielfach (neue) Erfahrungen von Berechenbarkeit, Kontinuität, Sicherheit und Geborgenheit für die Kinder. Diese stabilisierenden Rahmenbedingungen werden stetig dem fortschreitendem Alter und den wachsenden Kompetenzen der Kinder angepasst und bieten Raum für das Erlernen und Entwickeln von Selbstwirksamkeit und Eigenständigkeit  im kleinen System.

Aktive Wochenendgestaltung oder einfach Zusammensein, Feiern und Feste runden den Familiengruppenalltag ab. Jede Familiengruppe bietet einen zweiwöchigen Gruppenurlaub im Jahr an.

Schulische Förderung

Die Förderung im schulischen Bereich findet durch die geregelte Hausaufgabenzeit, abgestimmt auf den individuellen Förderbedarf des  Kindes, statt.   Intensive Kontakte zu Lehrern und den jeweiligen Schulen, Praktikums- und Ausbildungsstellen werden seitens der Familiengruppen gesucht und gepflegt. Hier werden auch auf Wunsch die Eltern der Kinder miteinbezogen (Schulfeste, Elternsprechtage).

Verselbstständigung

Das frühe Einüben lebenspraktischer Fertigkeiten (z. B. Zimmeraufräumen, Helfen bei der Essensvorbereitung, mit der Familiengruppen  besondere Aktivitäten organisieren) mündet bei älteren Kindern in gezielte Trainings zur Verselbstständigung (Konto- und Haushaltsführung, Erledigungen für den täglichen Bedarf) und bedeutet auch das schrittweise positive Lösen der älteren Kinder von gewonnenen Beziehungen und guten Verbindungen. Für gute Übergänge in anschließende Maßnahmen oder in eine eigene Wohnung wird durch die Familiengruppen gesorgt.

Integration in das Gemeinwesen

Die Orientierung im öffentlichen Umfeld fällt den Kindern leichter, da sie in Familien leben, die wiederum Teil eines Gemeinwesens sind. Sie finden über Nachbarschaften, Teilnahme am Vereinsleben, Kontakte zu Kirchengemeinden sowie die Teilnahme an Feiern und Festen Zugänge zum örtlichen Gemeinwesen und können sich dort erfolgreich  integrieren. Dies unterstützt sie beim Aufbau und Gestalten von Freundschaften mit Gleichaltrigen oder auch dem Erproben von persönlichen Fähigkeiten, z. B. durch den Einsatz in der Jugendfeuerwehr.

 

Arbeit mit dem Herkunftssystem - Elternarbeit

Das intensive Zusammenarbeiten von Familiengruppen und den Herkunftsfamilien der Kinder ist für uns von großer Bedeutung, da turnusmäßig im Hilfeplangespräch auch immer wieder die Rückführung in den elterlichen Haushalt überprüft wird. Das gute Zusammenwirken der beiden Systeme für das Kind ist auch bei abgeklärter (Langzeit-) Perspektive unabdingbar, damit die Maßnahme für das Kind positiv verläuft. Hier steht die Fachberatung auch als Vermittlerin zwischen den beiden Systemen zur Verfügung. Aufsuchende Gespräche bei den Herkunftsfamilien bieten Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens, geben Einblicke in die jeweiligen Erfahrungs- und Lebenswelten, helfen Ressourcen zu sichten und nutzbar zu machen und unterstützen den Prozess Verbindungen und Verbindliches für die Kinder zu gestalten.

Uns ist es wichtig, die ganz eigenen Bedürfnisse des Kindes zu erkennen, zu verstehen und besprechbar zu machen. Die fachlichen und persönlichen Kompetenzen der Familiengruppen werden darauf abgestimmt, ergänzt und ggf. erweitert,  um den Austausch sowie die Auseinandersetzung mit den Herkunftseltern für die Kindern zu fördern und konstruktiv zu gestalten.